Blues Am Deich — Blues on the Levee

"Mit Blues kann man alles ausdrücken"
Multi-Kulti-Musik- Festival "Blues am Deich" am Freitag: Die drei Künstler im TAGEBLATT- Interview

Von Dr. Janine Rehbein

Grünendeich. Multi-Kulti-Feeling unterm Altländer Sternenhimmel: Am Freitag, 4. September, spielen hochkarätige Musiker aus aller Welt beim Festival "Blues am Deich": Der afro-amerikanische Gospel-Sänger Big Daddy Wilson, die junge afro-deutsche Band Fleur Earth Experience aus Köln und der kurdische Liedermacher Sivan Perwer. Das TAGEBLATT hat alle drei befragt.

TAGEBLATT: Sie treten beim Musikfestival "Blues am Deich" auf. Machen Sie Blues?

Big Daddy Wilson: Der Blues ist das Fundament meiner Musik, er ist mein Zuhause. Ich werde aber auch Soul und Spirituals von meiner neuen CD "Love is the key" singen.

Fleur Earth: Wir machen Straßenköter-Soul, unser Sound ist dreckig wie ein Straßenköter und pur wie ein unlackierter Schrank. Aber meine Texte sind bluesig angehaucht, denn Blues ist Widerspielgelung von hartem Leben. Und ich ziehe meine Texte aus dem wahren Leben.

Sivan Perwer: Ich singe zwar auch kurdische Klassiker und Folklore, meinen Schwerpunkt bildet aber die politische Protestmusik. In meiner Musik geht es um Trauer, Liebe, Widerstand, Heldenhaftigkeit, Freiheit, Gleichberechtigung der Frauen, aber auch um das Leben von einfachen Bauern. In diesem Sinne würde ich sagen, dass auch Blues-Musik in meinem Repertoire seinen Platz hat.

TAGEBLATT: Was wollen Sie mit Ihrer Musik ausdrücken oder bewegen?

Big Daddy Wilson: Viele denken, Blues ist nur traurig, aber mit Blues kann man alles ausdrücken. Ich möchte mit meiner Musik die Menschen vereinen. Denn Musik ist wie die Liebe: Sie geht über die Grenzen von Ländern und Religionen.

Fleur Earth: Die Menschen werden immer rationaler, man darf nicht mehr weinen oder offen seine Meinung sagen im Job. Ich arbeite als Elektrikerin auf einer Baustelle. Die Menschen dort sind sehr rauh. Wir wollen den Menschen zeigen, dass es mehr im Leben gibt als Arbeit.

Sivan Perwer: Jahrzentelang war die kurdische Kultur im Irak, Iran, in der Türkei und in Syrien verboten. Ich wollte diesen Zustand nie akzeptieren und habe gegen diese Unterdrückung gesungen. Deswegen war ich lange Zeit in den genannten Ländern verboten. Ich denke, dass meine Musik vielen Kurden geholfen hat, ihre Identität zu bewahren und ihr Bewusstsein zu entwickeln.