Über Blues am Deich
Im Oktober 2008 machten wir es uns zum Anliegen, ein Blues Festival ins Leben zu rufen, auf dem der Blues in seiner ganzen Authenzität zwischen Afrika und dem Mississippi zum Ausdruck kommt, auf dem der Blues in seiner komplexen Genrevielfalt vorgestellt wird, auf dem der Blues als Medium der globalen Black Experience gefeiert wird, das als ein Bezugspunkt für Afropeans (Europäer afrikanischer Herkunft) gelten würde und das vor allem die Herzen des Publikums erobern würde. Mit der Künstleraufstellung vom letzten Jahr machten wir es uns zum Ziel, „den Triumph der menschlichen Seele zu beleuchten“. Ein Rückblick auf das erste Konzert zeigt, dass wir diesem Anliegen näher gekommen sind. Eine ausführliche multimediale Dokumentation des Abends findet sich hier.
Schon letztes Jahr haben wir die große Bedeutung von Flüssen und Deichen für den Blues – als Pate zahlreicher moderner US-amerikanischer Musikgenres – hervorgehoben. Die Reise entlang des Mississippi in Richtung Norden war für viele ehemalige Sklaven der einzige Weg, um den Bedingungen auf den Plantagen der Südstaaten zu entkommen. Auf ihrer Reise bis hin nach Chicago gelang es ihnen, das Wesen des Blues zu bewahren und ihn gleichzeitig mit Elementen aus der neuen Umgebung zu bereichern. Letztes Jahr sind wir auf den Spuren des Douala, Niger, Rhein und Mississippi bis hin zur Elbe gewandelt. 2009 werden wir noch den Congo und den Euphrat in die Liste der Flüsse aufnehmen, die ihre Seele in die Elbe fliessen lassen.
Nach wie vor meinen wir, dass der Blues ein bedeutendes Medium ist, in dem sich die vielfältigen Genres von R & B, Soul, Jazz, Reggae, afrobeat, etc. vereinen. Nach dem Erfolg vom letzten Jahr bringen wir das Festival nun unter freien Himmel und zwar direkt an das Ufer der Elbe. Hier werden Bands aus einem breiten multikulturellen Spektrum zu sehen sein und Soul zu hören sein, wie er auch Goethe gefallen hätte.
Blues Am Deich 2009: Bridging Blues to Soul
Nach der erfolgreichen Debutveranstaltung von “Blues am Deich” im Stadeum letzten Oktober, soll die Fortsetzung des Festivals nun seinen Weg an die Ufer der Elbe finden. Am Freitag, den 4. September 2009 präsentieren wir ihnen ein Open Air Festival im Gewerbepark Grünendeich (“Pioplatz”) bei Stade. Ähnlich wie schon im Vorjahr wird auch bei der Fortsetzung von “Blues am Deich” die black music das Rückgrat des multikulturellen Festivals bilden. In diesem Jahr erwartet Sie ein Blues und Soul Abend mit FLEUR EARTH EXPERIMENT, BIG DADDY WILSON und special guest SIVAN PERWER. Das Festival verfolgt das Ziel, den tiefen Emotionen, die der Blues mit sich bringt, Ausdruck zu verleihen. Im letzten Jahr stand das Zitat des legendären Bluesmusikers Son House im Mittelpunkt demzufolge „man den Blues haben muss, um den Blues zu singen“. In diesem Jahr wird dieses Motto auch insbesondere von dem Künstler Sivan Perwer vertreten, der sich mit seiner Musik für die Rechte der kurdischen Bevölkerung einsetzt. Seine Lieder sind an den Ufern des Euphrats durch kurdische Territorien gereist ähnlich wie schon die Lieder von Son House vom Mississippi in die großen Städte der USA getragen wurden. Gemäß der engen Verbindung des Blues mit den Flussläufen dieser Welt sollen diese großen Gefühle des Blues an den Ufern der Elbe gefeiert werden.
Sivan Perwer gilt als der bekannteste Dichter und Sänger kurdischer Musik und begeistert mit seinem Talent und Charisma.Gewappnet mit seiner bewegenden, ausdrucksstarken Stimme und seinen Streichinstrumenten, die starke Parallelen zu den traditionellen Bluesinstrumenten aufweisen, feiert Perwer die kurdische Kultur. 1991 trat er zusammen mit Peter Gabriel, Sting, Paul Simon und Tom Jones auf der „Simple Truth“ Benefizkonzert im Londoner Wembley Stadion auf, um auf die Situation der kurdischen Bevölkerung aufmerksam zu machen.
Wie bereits im letzten Jahr werden auch diesmal wieder afrodeutsche Künstlerinnen und Künstlern das Festival bereichern. Sie werden teilweise auf deutsch singen und damit die deutsche Sprache dem „Soul/Blues Tauglichkeitstest“ unterziehen… FLEUR EARTH EXPERIMENT (FEX) ist eine Band aus Köln, die durch ihren „deutschen Straßensoul“ bekannt wurde. Die Leadsängerin Fleur Earth lässt ihre kongolesischen Wurzeln in ein musikalisches Format einfliessen, dass einen zeitgenössischen Goethe mit Stolz erfüllt hätte. FEX’S bemerkenswerter Ansatz liegt darin, authentische Soularrangements mit ausdrucksstarken, lyrischen Texten zu untermalen, teilweise begleitet von Reggaerythmen. Eine Kritik im Spiegel online beschreibt FEXs Musik als “…Soul mit ordentlich Groove und kritischer Agenda: Das kannte man bislang nur aus den USA. Die Afrodeutsche Fleur Earth könnte nun zur deutschen Erykah Badu werden – mit raffinierten Texten und markantem Sound. FEX wird Kostproben aus ihrem neuen Album „Soul des Cabots,“ (Melting Pot Records) vorstellen.
Die afro-amerikanische Community wird in diesem Jahr durch Big Daddy Wilson vertreten, der Auszüge aus seinem neuen Album „Love is the Key,“ (Ruf Records) spielen wird. Wilson, der aus der Tradition der Gospelmusik kommt, hat es geschafft, die Brücke zwischen Kirchengospel und Blues zu schlagen und macht seine Auftritte damit zu einer mitreissenden spirituellen Erfahrung. Wilson zufolge. “ist das Wichtigste am Blues das Gefühl, es geht weniger um Stil oder Show – der Blues ist ein feeling. Ich möchte, dass die Leute mich fühlen, ich möchte sie an die Hand nehmen, möchte sie mit mir nach Hause nehmen, möchte sie auf die Feldwege von North Carolina mitnehmen.“