Konzept

»Beauty under pressure« – den Triumph der menschlichen Seele beleuchten und den Blues nach Hause bringen – wo auch immer man sich zu Hause fühlt – ob am Nil, am Mississippi, am Rhein, oder an den Ufern der Elbe.

On Stage

  1. Mitwirkende / Danksagungen

Konzept

Konzept

Beim Musikfestival BLUES AM DEICH, das am 10. Oktober 2008 im STADEUM stattfindet, stehen der Blues und seine Abkömmlinge im Mittelpunkt. Dieses besondere Event wurde von Southway Media konzipiert und in Zusammenarbeit mit dem STADEUM, einem Zentrum für Kulturveranstaltungen in Stade (Altes Land) realisiert.

Das Konzept für BLUES AM DEICH geht auf die Erlebnisse eines Senegalesen zurück, der von New York City nach Deutschland zog und sich im Alten Land niederließ, wo er heute mit seiner Familie auf einem der vielen Deiche lebt, die gebaut wurden, um die Elbe und ihre Launen zu bändigen. Seine Erfahrungen — wie die vieler anderen Menschen weltweit, die ihr Geburtsland verlassen haben — sind gekennzeichnet von den vielen Herausforderungen, die eine andere Umwelt, eine andere Sprache und ein anderes soziokulturelles Umfeld mit sich bringen. BLUES AM DEICH wird eine multimediale Erzählung sein, die akustische Elemente, Bilder und Videos zusammenbringt, um nicht nur die Künstler auf der Bühne zu feiern, sondern auch diejenigen, die den Triumph der menschlichen Seele verkörpern, weil sie selbst unter schwierigsten Lebensumständen Anmut und Schönheit bewahren. Das Festival wird den Blues vergangener Jahrzehnte ebenso feiern wie seine heutigen Formen. Wir möchten den Blues als narratives Instrument nutzen, um das herkömmliche Verständnis von Migration und Integration in Deutschland zu bereichern und vor allem um einen Beitrag zu der Geschichte der Afrikaner und Afro-Deutschen in Deutschland zu leisten.

Weil Flüsse sowohl bei der Migration als auch bei der Entwicklung und Evolution des Blues als musikalisches Genre schon immer eine entscheidende Rolle gespielt haben, lag es nahe, die Elbe als Ort für das Festival zu wählen. Aber die Elbe ist auch ein Teil unseres Lebensraums, ein Umfeld in dem wir die realen Herausforderungen der Integration erfahren. Entlang des Mississippi, wo dieses musikalische Genre seinen Namen bekam, spielten Deiche eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen dem Blues, der auf den Plantagen gespielt wurde, und den Formen, die in Memphis und Chicago entstanden sind. Unmittelbar nach der Abschaffung der Sklaverei gehörte der Bau von Deichen entlang des Mississippi zu den ersten Arbeiten, die ehemalige Sklaven außerhalb der Plantagen finden konnten. Diese »mule skinners« — wie sie damals genannt wurden — sangen den bockigen, mit Sand beladenen Tieren den Blues vor, um sie auf die Deiche zu locken. Wie zuvor bei der Feldarbeit auf den Plantagen, improvisierten die Deicharbeiter Lieder mit verschlüsselten Texten, während der Peitschenschlag den Takt vorgab. Wenn Deiche singen könnten, dann würden sie den Blues singen.

Der Blues, um den es uns geht, ist nicht eine statische Spielart, die sich stilvoll selbst dupliziert, sondern eine emotionsgeladene Form, die sich in der Seele festwächst, so als wäre der Mensch das Haus und der Blues ein Besucher, der sich selbst einlädt, wenn die Stimmung dafür reif ist. Der Blues unterscheidet nicht zwischen reich und arm. Der Blues ist ein musikalisches Mittel, das unsere wahrsten Gefühle vermittelt. Im Lauf der Geschichte hat die Elbe viele Tragödien gesehen oder selbst verursacht; auch deshalb ist sie ein angemessener Ort für das Ereignis, das wir planen. Von Cuxhaven bis Dresden gab es entlang dieses Flusses immer wieder Zeiten, in denen die Strömungen mehr bloßgelegt haben, als das scheinbar idyllische Leben von heute.

Der Ort, an dem wir spielen werden, liegt im Alten Land, im nördlichen Abschnitt der Elbe; diese Landschaft wird zwar von eher wohlhabenden Bauern bewohnt, aber sie wurde im Lauf der Geschichte auch immer wieder von dem Blues heimgesucht. Elbe Obst, ein großer Obstanbauverband in dieser Region, verweist auf die Zerstörung von 35.900 Obstbäumen durch die Flut von 1825. Angesichts der inzwischen enorm gestiegen Obstproduktion würde eine vergleichbare Flut heute sehr viel mehr Zerstörung nach sich ziehen. Wir glauben daran, dass der Blues auch hier ein Mittel sein kann, Brüderlichkeit, Gemeinschaftssinn und den interkulturellen Austausch zu fördern. Heute hat der Blues den Kreis geschlossen. Dank der Arbeit einiger afroamerikanischer Musiker wie Charley Patton, Robert Johnson, Randy Weston, Nina Simone und Cassandra Wilson, von Filmemachern wie Martin Scorsese und Wissenschaftlern wie John und Alan Lomax hat die Welt seinen Ursprung wiedergefunden: Afrika.

Obwohl BLUES AM DEICH zunächst als Freiluft-Event konzipiert wurde, haben wir nun das Stadeum in Stade mit seiner warmen Atmosphäre als Veranstaltungsort für das Festival am 10. Oktober 2008 gewählt. Ein Freiluftkonzert im Ort Grünendeich an der Elbe wird 2009 folgen. Das Stadeum befindet sich auf halber Strecke zwischen Hamburg und Bremen und ist von beiden Städten sowohl mit dem Auto als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln leicht zu erreichen. BLUES AM DEICH beginnt am 10. Oktober 2008 um 19:45 Uhr und wird Künstler aus Afrika, Amerika und Deutschland präsentieren. Alle Musiker, die an diesem Abend auftreten werden, haben afrikanische Wurzeln. Aber jeder von ihnen verarbeitet persönliche Erfahrungen auf ganz individuelle Weise, um eine Musik zu erzeugen, die als unverkennbares geistiges Eigentum die individuelle Handschrift des jeweiligen Künstlers trägt. Wir wollen so nicht nur zu den Wurzeln des Blues zurückkehren und die lange Reise würdigen, die diese Musik bereits zurückgelegt hat, sondern auch darauf schauen, welchen Weg der Blues noch vor sich hat.

Medien