Corey Harris

Corey Harris kanalisiert die raue und direkte Emotionalität des akustischen Delta-Blues und hat damit bei Musikkritikern viel Lob geerntet: Düster, bitter, spielerisch und ruhelos – vielleicht ist dies die Antwort eines Bluesmusikers auf Stankonia.

On Stage

  1. von 20:00 Uhr bis 20:10 Uhr und
  2. von 22:15 Uhr bis 23:00 Uhr

Corey Harris

Corey Harris

Corey Harris hat bei Musikkritikern viel Lob geerntet, als einer der wenigen zeitgenössischen Bluesmusiker, der in der Lage ist, die raue und direkte Emotionalität des akustischen Delta-Blues zu kanalisieren, ohne dabei wie ein authentizitätsbesessenen Geschichtsliebhaber zu wirken. Obwohl durchaus sehr bewandert in der frühen Geschichte der Bluesgitarre, ist Harris keineswegs ein gesitteter Bewahrer des alten Stils. Er verbindet vielmehr ein breites Spektrum von Einflüssen – deren Wurzeln von New Orleans über die Karibik bis nach Afrika reichen – um seine eigene, ausgesprochen ausdrucksstarke Musik entstehen zu lassen. Damit hat er ein breites Spektrum an Bluesfans für sich einnehmen können, deren Geschmack von standhaftem Traditionalismus bis hin zu sehr in der Gegenwart verankerten Neigungen reichen.

Corey Harris kam am 21. Februar 1969 in Denver, Colorado zur Welt und begann im Alter von zwölf Jahren mit dem Gitarrespielen, als er die Lightnin‘Hopkins‘-Schallplatten seiner Mutter kennen und lieben lernte. Als Jugendlicher sang er in der örtlichen Kirchengemeinde und spielte sowohl in einer Rockgruppe als auch in der Blaskapelle seiner High School. Während seines Anthropologiestudiums an der Bates College in Maine hielt er sich zum ersten Mal in Kamerun auf, um dort über afrikanische Sprachen zu forschen. Mit einem Forschungsstipendium kehrte er nach seinem Abschluss in das Land zurück. Fasziniert von den komplexen Polyrhythmen der afrikanischen Musik, saugte soviel davon auf, wie er nur konnte.

Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete Harris als Lehrer für Englisch und Französisch in Napoleonville, Louisiana, und spielte in seiner Freizeit in den Kaffeehäusern und Clubs sowie an den Straßenecken der nahe gelegenen Stadt New Orleans. Sein Ruf in der lokalen Szene führte schließlich zu einem Vertrag mit Alligator, eines der renommiertesten Blues-Labels in den Südstaaten. Alligator brachte 1995 sein Debutalbum, „Between Midnight and Day“, heraus. Diese Aufnahme – eine puristische, Ein-Mann-Eine-Gitarre-Angelegenheit – zeugte von Harris‘ Beherrschung unzähliger Varianten des Deltablues-Stils und führte nicht nur zu begeisterten Reaktionen von Musikkritikern, sondern sogar zu ein wenig Aufmerksamkeit in den mainstream Medien. Das Album markierte nicht nur Harris‘ Wahrnehmung als spannende neue Erscheinung in der Bluesszene, es brachte ihn auch einen Vertrag als Vorgruppe bei der Tournee von Natalie Merchant, ehemals Sängerin der Gruppe „10.000 Maniacs“. (von Steve Huey, YAHOO-Music)

Etwa zur selben Zeit als OutKast und Goodie Mob aus dem tiefen Süden aufstiegen und begannen, Repräsentanten der country manners zu werden, waren ein paar junge, mit schnellen Fingern gesegnete Musikologen dabei, den Ruf des akustischen Blues wieder zu rehabilitieren. Unter jungen schwarzen Bluesmusikern galt lange Zeit die Tradition des Son House und Charley Patton als abgehalftert und rückständig: Sie zogen die grelle Urbanität der in Chicago beheimateten Nachfolgerformen dieser Musik vor. Corey Harris war jedoch, zusammen mit Keb‘ Mo‘ und Alvin Youngblood Hart, einer der jungen Afro-Amerikaner, die ab Mitte der 1990er Jahre in den Delta Blues eintauchten, sich in seinen Formen und seinem Ethos vertieften. Harris wurde bald zum originellsten BluesSongwriter und -Performer seit Robert Cray. Von diesen drei jungen Musikern war Harris derjenige, der such das Delta-Ethos auf die verblüffendste Art und Weise sich zu Eigen machte.

Harris liefert auf „Between Midnight and Day“ ein Soloperformance ab und passt dabei hemdsärmelig Bluesstrukturen an seinen eigenen und eigensinnigen Sinn für Rhythmen an: keine schlechte Leistung für einen ehemaligen Anthropologiestudenten aus Denver. „Fish Ain‘t Bitin“ bietet auch Stücke bei denen drei Blechbläser (zwei Posaunen und eine Tuba) und ein einfaches Schlagzeug sich mit Harris‘ National-Steel-Gittare zusammentun, um ein schräges New-Orleans-Gefühl zu erzeugen. Die Eigenkompositionen des Musikers, die zum Beispiel von Mumia AbuJamal handeln oder beharrlich darauf verweisen, dass Lynchmorde immer noch stattfinden, lassen Jahrzehnte alte Klagen über Armut und Rassismus in einem modernen Licht aufscheinen. Wenn es um Stil geht war Harris schon immer der Allesfresser unter den vom Deltablues beeinflussten Musikern; er richtete sich noch nie auf Dauer mit einer Richtung häuslich ein. „Greens From the Garden“ markiert seine Elektrifizierung; hier wandert die Musik von Reggae bis Cajun und verfestigt zugleich Harris‘ Fähigkeit, Blues-Licks und -Texte in moderne Ausdrucksformen zu gießen.

(„Seen the devil last night, walk like a natural man“, heißt es zum Beispiel bei „Basehead“; „Had a pipe in his mouth, a rock in his hand.“) Die erneute Rückbesinnung auf die Wurzeln beim Album „Vu-Du Menz“, eine Einspielung mit dem Klavierspieler Henry Butler, führte offenbar dazu, dass ihm die Retroanwandlungen gründlich ausgetrieben wurden, denn Harris war weiter davon entfernt als je zuvor, als er anschließend zu seiner E-Gitarre zurückkehrte. Ein bodenständiger Mann von Welt schweift umher, von einer Neville Brothers Coverversion über roadhouse boogie, bis hin zum zentralafrikanischen Soukous, und ist viel zu sehr damit beschäftigt, Stile zu sammeln, um etwas so ordentliches wie eine Fusion zu versuchen. Düster, bitter, spielerisch und ruhelos: Vielleicht ist dies die Antwort eines Bluesmusikers auf Stankonia. (KEITH HARRIS – aus „The New Rolling Stone Album Guide“, 2004)

Mohamed Kouyate

Mohamed Kouyate ist ein junger Gitarrist aus Guinea. Die musikalische Geschichte seines Landes läßt sich bis ins 13.Jahrhundert zurückverfolgen, das den Höhepunkt des bedeutensten westafrikanischen Königreichs unter Sundjata Keita darstellte. Es ist dem Widerstand von Soumangourou Kante gegen eine Allerherrschaft innerhalb des Mandinka Königreichs zu verdanken, dass Sundjata’ s Vermächtnis bis heute von großer Bedeutung ist.
Musik war eine wichtige Gemeinsamkeit, die die Mandinka Könige teilten. Sie war ein integraler Bestandteil ihres Alltags. Jeder von ihnen hatte ihre eigene “Griot” Familie, eine Gruppe von ständigen Hofmusikern. Während einige der bedeutensten Koraspieler sich bis zu Sundjata zurückverfolgen lassen, ist Soumangourou für die Entwicklung und Unterstützung der Balafon Tradition bekannt. Mohammed, ist ein direkter Nachkomme aus der Kouyate Griot Familie, die am Hof des Soumangourou Kante musizierte.

harris and kouyate

Mohamed Kouyate (r.) with Corey Harris

Bereits im Alter von 7 Jahren begann Mohamed K. seine musikalische Karriere, indem er seinen Vater – ein Balafonspieler – zu zahlreichen gesellschaftlichen Anlässen begleitete. Mit 15 Jahren begann er, die Gitarre zu spielen, und verlieh damit Jahrhunderten kollektiver rhythmischer Erinnerung eine Melodie. Nach Jahren intensiver Beschäftigung mit zeitgenössischen Instrumenten und Musikstilen, experimentierte Mohammed mit der “Groupe musical de la rue.” Während dieses Lernprozesses traf er auf Marly Baba, ein legendärer Gitarrist aus Guinea, der ihm den Jazz näher brachte.

2000 gründete er die Band “Conakry Cocktail.” Diese Band stellte eine Brücke zwischen Tradition und Moderne dar. Als Folge dessen traf Mohammed auf die bedeutensten Musiker von Conakry, darunter auch Saxophonist Momo Wendell Soumah – Guinea’ s bester Jazzmusiker. Mohammed besuchte amerikanische und europäische Musiker wie Frankreichs “African Express” und den afroamerikanischen Bluesmusiker Corey Harris, mit dem er als Gast der US-Botschaft in Conakry durch die USA reiste. Mohamed lebt heute in Paris, wo er zu den aufsteigenden Talenten gehört. Sein traditioneller Hintergrund gibt seiner Musik dabei eine besondere Note, die ihn von anderen Musikern seiner Generation abhebt.

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